{"id":231,"date":"2015-02-10T21:23:32","date_gmt":"2015-02-10T21:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.lentge.de\/?p=231"},"modified":"2015-05-01T13:40:51","modified_gmt":"2015-05-01T13:40:51","slug":"es-bekommt-immer-der-die-schoenere-antwort-der-die-schwierigere-frage-stellt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.lentge.de\/?p=231","title":{"rendered":"&#8222;Es bekommt immer der die sch\u00f6nere Antwort, der die schwierigere Frage stellt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Im\u00a0Februar 1994 wurde an der Universit\u00e4t St. Gallen unter dem Titel <em>&#8222;Management in der Postmoderne \u2013 Ph\u00e4nomene, Unterscheidungen, Perspektiven &#8230;&#8220;<\/em>\u00a0eine Dissertation vorgelegt, die sich mit der Frage befasst, was man aus der modernen Erkenntnistheorie \u2013 Stichworte dazu: &#8222;Radikaler Konstruktivismus&#8220;, &#8222;Second Order Cybernetics&#8220;, &#8222;Autopoietische Systemtheorie&#8220; \u2013, personifiziert in Namen wie\u00a0Heinz von Foerster, Gregory Bateson und v.a.\u00a0Niklas Luhmann, f\u00fcr die Theorie und Praxis des Managements lernen kann.<\/p>\n<p>Aus Sentimentalit\u00e4t und Nostalgie \u2013 in Verbindung mit der beim Wiederlesen entstandenen Erkenntnis, dass nicht alles, was mir damals schlau schien, heute komplett dummes Zeug sein muss \u2013, hier einige Inhalte noch einmal zusammengefasst.<\/p>\n<p>LEITIDEE: \u201eDie\u201c Realit\u00e4t gibt es nicht \u2013 sie wird von Beobachtern (die sich gegenseitig beobachten) konstruiert.<\/p>\n<ul>\n<li><em>&#8222;Beobachten muss und kann Unterscheidungen w\u00e4hlen und es kann in Bezug auf die Unterscheidungen, die es w\u00e4hlt oder auch in Bezug auf die, die zu w\u00e4hlen es vermeidet, beobachtet werden. Das ist die Quelle des Relativismus. (&#8230;) Da Unterscheidungen in gro\u00dfer Zahl zur Verf\u00fcgung stehen und man dasselbe auf sehr verschiedenartige Weise unterscheiden kann, gibt es keine beobachterunabh\u00e4ngig vorgegebene Realit\u00e4t.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<\/ul>\n<p>RESULTIERENDE HERAUSFORDERUNG: Trotzdem (irgendwie) weitermachen (k\u00f6nnen).<\/p>\n<ul>\n<li><em>&#8222;Es gibt, kurz gesagt, keine trigonometrischen Punkte mehr, von denen aus mit Anspruch auf unbestrittene Orientierungsgeltung beobachtet werden k\u00f6nnte. Von irgendwoher kann die Konstruktion gesehen, ihre Selektivit\u00e4t registriert und artikuliert werden. Damit ist eine Bedarfslage gekennzeichnet, die Realit\u00e4tskontrolle auch noch unter der Bedingung polykontexturaler Beobachtungsverh\u00e4ltnisse gew\u00e4hrleisten kann.&#8220;<\/em> (P. Fuchs)<\/li>\n<\/ul>\n<p>M\u00d6GLICHE ANSATZPUNKTE F\u00dcR JEDE ART VON &#8222;MANAGEMENT&#8220;:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Soziales Geschehen&#8220; nicht vom Einzelnen, seinen Motiven, Absichten und Ideen, sondern von den faktisch beobachtbaren Austausch- und Kommunikationsprozessen her begreifen.<br \/>\n<em>&#8222;Nimmt man das Individuum empirisch ernst, mit all dem, was physikalisch, chemisch, neurophysiologisch und gedanklich zu seiner Realisation beitr\u00e4gt, (&#8230;) schlie\u00dft das jede anthropologische Fundierung von Sozialtheorien aus.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<li>Akzeptieren, dass \u201erationales Handeln\u201c weitgehend illusorisch ist.<br \/>\n<em>&#8222;Je komplexer ein Entscheider seinen Kausalkontext zu berechnen versucht, desto wichtiger werden die unbeabsichtigten gegen\u00fcber den beabsichtigten Folgen und die Beschr\u00e4nkungen gegen\u00fcber den Zwecken. Bem\u00fchungen um Rationalit\u00e4t verlagern den Schwerpunkt ins Unverf\u00fcgbare und bringen sich damit zum Scheitern.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<li>Nicht glauben, dass man allzu viel Kontrolle \u00fcber die Dinge hat.<br \/>\n<em>&#8222;Ein strikt operativer Ansatz der Systemtheorie (aber ebenso auch jeder Theorie der Zeichenverwendung, also etwas der Sprache) f\u00fchrt zu der Annahme, dass alles, was geschieht, gleichzeitig geschieht. (&#8230;) Und Gleichzeitigkeit allen Geschehens hei\u00dft: Unkontrollierbarkeit allen Geschehens.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<li>Stattdessen lieber anstelle von \u201eRichtigkeit\u201c auf \u201eRobustheit\u201c setzen:<br \/>\n<em>&#8222;De futuribus contingentibus gibt es keine wahren und falschen Annahmen, sondern nur Unentscheidbarkeiten. (&#8230;) Die einzig sinnvolle Strategie ist dann ein Probieren, das sich selbst misstraut und mit \u00c4nderungsvorbehalt ausstattet. (&#8230;) Man kann nur die eigene Robustheit, und mit ihr die M\u00f6glichkeit, sich auf Risiken einzulassen, steigern, und auf diese Weise die Codewerte akzeptabel\/nicht-akzeptabel verschieben.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<li>Beim Versuch zu verstehen, was passiert, Immer auch\u00a0schauen, wer welche Interessen vertritt \u2013 und wer welche Machtmittel zur Verf\u00fcgung hat.<br \/>\n<em>&#8222;Jede Ernst zu nehmende Analyse kollektiven Handelns muss (&#8230;) Macht in das Zentrum ihrer \u00dcberlegungen stellen, denn kollektives Handeln ist im Grunde nichts anderes als tagt\u00e4gliche Politik. Macht ist ihr &#8218;Rohstoff&#8216;.&#8220;<\/em> (M. Crozier \/ E. Friedberg)<\/li>\n<li>Ambitionierte Planung durch \u201eEinfach mal Probieren\u201c ersetzen.<br \/>\n<em>&#8222;Willst Du erkennen, lerne zu handeln.&#8220;<\/em> (H. v. Foerster)<\/li>\n<li>Weniger am Ideal des Plans und des Modells als am konkreten Einzelfall orientieren.<br \/>\n<em>&#8222;Um gut zu leben, muss man das h\u00f6ren, was es zu h\u00f6ren gibt, und nicht das, was man zu h\u00f6ren erwartet.&#8220;<\/em> (J. Cage)<\/li>\n<li>Von der Suche nach &#8218;richtigen&#8216; Antworten zur Formulierung &#8218;anderer&#8216;, nicht erwarteter Fragen \u00fcbergehen.<br \/>\n<em>&#8222;Es bekommt immer der die sch\u00f6nere Antwort, der die schwierigere Frage stellt.&#8220;<\/em> (G. Bateson)<\/li>\n<li>Statt auf Optimierung auf \u201epermanente St\u00f6rung des Systems\u201c setzen.<br \/>\n<em>&#8222;Alles, was nicht Information, nicht Redundanz, nicht Form und nicht Einschr\u00e4nkung ist, ist Rauschen &#8211; die einzige Quelle neuer Muster.&#8220;<\/em> (G. Bateson)<\/li>\n<li>\u00a0\u201eScheitern\u201c als valide Option akzeptieren.<br \/>\n<em>&#8222;Alles ist zu gewinnen aus dem gr\u00f6ssten Verlust. Der Geist lebt von Verheerung.&#8220;<\/em> (L. Aragon)<br \/>\n<em>&#8222;Je unl\u00f6sbarer das Problem, desto gr\u00f6sser sein Reproduktionswert.&#8220;<\/em> (N. Luhmann)<\/li>\n<li>Den Fokus von Effektivit\u00e4t und Effizienz (80:20) auf Perfektion (100%) verschieben.<br \/>\n<em>&#8222;Keine Sache ist von Bedeutung, keine Sache ist wichtig, aber von Bedeutung und wichtig ist, dass Du alles, was Du tust, so gut wie m\u00f6glich tust. Nur so. Als \u00dcbung. Mehr nicht.&#8220;<\/em> (H. v. Wetering)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was man als junger Kerl halt so schreibt &#8230; :- )<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im\u00a0Februar 1994 wurde an der Universit\u00e4t St. Gallen unter dem Titel &#8222;Management in der Postmoderne \u2013 Ph\u00e4nomene, Unterscheidungen, Perspektiven &#8230;&#8220;\u00a0eine Dissertation vorgelegt, die sich mit der Frage befasst, was man aus der modernen Erkenntnistheorie \u2013 Stichworte dazu: &#8222;Radikaler Konstruktivismus&#8220;, &#8222;Second Order Cybernetics&#8220;, &#8222;Autopoietische Systemtheorie&#8220; \u2013, personifiziert in Namen wie\u00a0Heinz von Foerster, Gregory Bateson und v.a.\u00a0Niklas [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=231"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":251,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions\/251"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.lentge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}